Bearbeitungsstand: 06.02.2005
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Anfänge von Freschluneberg

(aus der "Chronik der Gemeinde Freschluneberg", S. 1 - 5)


Freschluneberg/anfang
(Foto: Chronik von Freschluneberg)

Der Ort Freschluneberg liegt an der Lune, einem kleinen Nebenfluß der Weser. Freschluneberg gehört zum Kreise Wesermünde und ist Bahnstation der Reichsbahnstrecke Bremen - Wesermünde - Bremerhaven. Über die Entstehung des Ortes und des Namens ist nichts bekannt. Die einen meinen, daß der Name abzuleiten ist von Friesenluneberge. Danach wäre Freschluneberg als ein altes Fischerdorf an den Lunebergen anzusehen. Es läßt sich nicht bestreiten, daß die Erklärung vieles für sich hat, da das Lunetal noch vor 30 - 40 Jahren viel von Überschwemmungen heimgesucht wurde und Ebbe und Flut sich bis hinauf nach Freschluneberg bemerkbar machten.

Andere behaupten, daß Freschluneberg als eine Abzweigung vom Rittergut Altluneberg an der Geeste anzusehen ist. Nachweislich haben auf dem Gut Altluneberg die Herren von Luneberg gewohnt und die Besitzungen dieses Rittergeschlechts dehnten sich bis zur Lune aus. Der Besitzer von Altluneberg ist noch bis in die heutige Zeit Patronat der Kirche in Loxstedt. Nach alten Urkunden hieß das Dorf um 1800 nach der Zeitenwende Frischluneberg. Auch das deutet darauf hin, daß Freschluneberg mit Altluneberg verwandt ist. Bis zum Jahre 1848 war das hiesige Gut noch "excemt" (dienst- u. steuerfrei). Es hieß damals "Dorf mit dem Gute Freschluneberg". Man muß wohl annehmen, daß das Gut zuerst angelegt ist. Leider weiß man nichts Bestimmtes darüber, da überhaupt keine Urkunden darüber vorliegen.

Von 1750 - 1800 hatte das Gut auf seinem Grund u. Boden 10 Ansiedlungen; davon lagen 8 im "Busch" und 2 im Dorfe. Die Siedler waren von allen Ortslasten frei, nur die Staatssteuer, welche Napoleon einführte, mußte von ihnen entrichtet werden. Die Ansiedler hatten aber die schrecklichen Meiergefälle zu tragen, die später nach und nach abgelöst sind.

Früher übte das Gut hier Gerichtsbarkeit aus, bis es mit Frelsdorfermühlen und Altluneberg zusammen das Gericht nach Beverstedt verlegte. Die Leute wissen noch von einem alten Richter Wyncken in Beverstedt zu erzählen. Das jetzige Papeísche Haus war früher das Richthaus des Gutes (Conradsburg?). Beim Richthause stand der Schandpfahl, wo die Leute, die sich vergangen hatten, an den Sonntagmorgenden am "Pranger" stehen mußten. Der Ausdruck "is ne Schande wert" deutet noch darauf hin.

Die Lune muß in damaliger Zeit viel bedeutender gewesen sein. Die Luneschleusen haben sicher noch gefehlt, so daß man bis nach Freschluneberg Ebbe u. Flut beobachten konnte. Die Lune war sogar bis Freschluneberg schiffbar. Bei dem jetzigen Chr. Schöderíschen Hause war die Schiffsstelle, auf der "Rotereide". Auf der Borgstätte war das Zollhaus des Gutes. Es soll zu Anfang des 19. Jahrhunderts noch gestanden haben, obgleich kein Zoll mehr gehoben wurde, weil keine Schiffahrt mehr vorhanden war. Die Leyde unter Papens Scheune soll noch davon sein.


Gutshaus v. 1740
(Foto: Georg Müller)

Das alte Wohnhaus des Gutes wurde im Jahre 1740 erbaut. Das vorige ist abgebrannt und zwar, wie man erzählt, an einem Stillenfreitag (=Karfreitag). Es wird berichtet, die Herrschaft sei so gottlos gewesen, daß die Leute am Nachmittag dieses Tages hätten den Garten umgraben müssen trotzdem sie sich anfangs weigerten. Da wäre an demselben Nachmittag der Blitz eingeschlagen und hätte das Haus in Asche gelegt. Das im Jahre 1740 erbaute Wohnhaus des Gutes ist am Mittwoch, d. 17. Juli 1895 nachmittags 4 Uhr total niedergebrannt. Lebende Wesen sind nicht darin verbrannt. Die Ursache des Brandes ist unbekannt. Das jetzige Wohnhaus des Gutes ist im Jahre 1895/96 in neuem modernen Stil errichtet.
Gutshaus 3-1899
(Foto: Georg Müller)


Die Namen der Gutsbesitzer kann ich nur von 1706 an aufführen. Es lebten hier der Reihe nach: von 1706 - 1742 H. v. Kroogh, (siehe Nachtrag S. 26/2) 1742 - 1834 Major v.d. Wisch, 1834 - 1848 v. Rettberg (Pächter Roes), 1848 - 1885 F.W. Müller, 1885 - 1922 Georg Müller, Erbe der Sohn: 1922 - 1962 Heinz Müller, Erbe der Sohn: 1962 - Georg Müller.

Im Jahre 1922 starb der Besitzer Georg Müller, ohne ein Testament zu hinterlassen. Darauf wurde das Gut geteilt. Heinz Müller erhielt das Gut mit den Gutsgebäuden und 400 Morgen Wald, Acker, Wiesen und Weideland. 300 Morgen fielen an Georg Müller (2. Sohn). Georg Müller verkaufte diese Ländereien an Bauern u. Kleinsiedler im Jahre 1931, da er selbst in Südhannover weilte. Die Tochter Margot erhielt die Marschländereien in der Gemarkung Rechtenfleth.

Einzelne Gutsbesitzer müssen in schlechten Vermögensverhältnissen gelebt haben, denn die übrigen Wohnstellen des Ortes, außer den oben genannten 10 Ansiedlungen, sind sämtlich Abtrennungen vom Gutshof, bis auf die Schmonseessche Stelle. Fast sämtliche Besitzer hier und in Westerbeverstedt (sogar einige Besitzer von Wollingst und Abelhorst) mußten Naturalien an den Gutsbesitzer liefern. (siehe unten die Verkaufsanzeige) Die Naturalien bestanden aus Getreide und Hühnern. Die Leute durften keine Garben einfahren bis der Gutsherr seinen Anteil (die zehnte Garbe) geholt hatte. Bis zum Jahre 1880 haben die Leute sich sämtlich abgelöst. In der Feldmark der Börde Beverstedt durfte der Gutsherr frei jagen u. auch in Hollen. Er hatte in der Lune bis nach Düring hinauf das alleinige Fischereirecht. Auch diese Rechte sind abgelöst worden. (siehe S. 145 "Fischereirechte in der Lune nach 1900")

Sämtliche Wohnstellen waren klein, hatten aber vom Gute Weideberechtigung. Die Hülsebergísche Stelle hatte Anfang des vorigen Jahrhunderts noch 6 Himpt. Saat (180 Ruten) Ackerland. Weil die Leute von ihrem Besitztum nicht leben konnten, so waren sie alle "Hollandgänger" (Die Männer wanderten im Sommer [Erntezeit] nach Ostfriesland und Holland, um dort bei der Einbringung der Ernte zu helfen. Sie kehrten im Spätherbst zurück.) oder Fischer. Später haben sie ihr Besitztum durch Ankauf von Ländereien aus der Gemarkung Hollen u. Westerbeverstedt erweitert.

Früher soll hier einmal die Rinderpest gewütet haben. Von sämtlichen Rindern in Freschluneber und Westerbeverstedt soll nur eine Kuh am Leben geblieben sein. Zum Schutz gegen die Pest hatten die Bewohner das Vieh außerhalb des Dorfes in Kulen untergebracht.

Im Jahre 1860/61 wurde hier die Eisenbahn von Bremen nach Wesermünde angelegt. Seit 1879 hat Freschluneberg eine Haltestelle. Das Bahnhofsgebäude hat der Ort herstellen müssen für 2200 RM. Zu dieser Summe haben die Ortschaften Hollen 400 RM Heise 50 RM u. Wittstedt 50 RM freiwillig beigetragen.

Im Jahre 1870 legte der Ort einen Friedhof an. Bis zu diesem Jahre mußten die Toten auf dem Friedhof in Beverstedt bestattet werden.

Nach der Volkszählung von 1890 hatte Freschluneberg 178 Einwohner. Es sind sämtlich deutsche Menschen und bekennen sich zum lutherischen Glauben. Die meisten Besitzer treiben Ackerbau, jedoch sind in der Zeit auch 1 Schuster, 1 Schneider, 1 Schmied, 1 Bäcker, 1 Krämer u. 2 Gastwirte in Freschluneberg ansäßig im Nebenberuf.

Zu bemerken ist noch, daß um 1890 der hiesige Gutsherr Mitbesitzer des Patronatsrechts über die Kirche und Schule in Altluneberg war. Zur Unterhaltung der geistlichen Gebäude muß das Gut Freschluneberg 9/24, Gut Altluneberg 11/24 u. Gut Frelsdorfermühlen 4/24 beitragen.
[Anmerkung im Original:](Die Angaben sind entnommen aus der Schulchronik von Freschluneberg.)



Ergänzungen aus einem Zeitungsartikel (handschriftliche Angabe "1947")
"Woher kommt der Name Freschluneberg"

über einen Vortrag des "langjährigen Leiters der Volksschule in Freschluneberg, des Lehrers a.D. Hinr. Cordts":
1847 übernahm die Familie Müller das Gut. Interessant waren die Ausführungen über die Naturalabgaben an das Gut aber auch an den Lehrer. Freschluneberg hatte schon um 1700 ein eigenes Schulhaus. Lange Jahrzehnte lag das Dorf ziemlich abgeschieden und abseits; es hatte wenig Verbindung zu den Nachbardörfern, zumal im Winter, wenn die Lunewiesen wochenlang überschwemmt waren. Der neue Ortsteil hat sich erst nach 1864 entwickelt, als die Bahn Bremerhaven - Bremen gebaut war. Der Güterverkehr wurde aber noch bis 1910 auf den Nachbardörfern abgefertigt. Zweimal sollte ein neuer Bahnhof gebaut werden, vor dem ersten bzw. dem zweiten Weltkrieg.
(In der Chronik ist der Zeitungsartikel auf S. 5 eingeklebt.)



Verkaufsanzeige, in der Chronik auf S. 3 eingeklebt - mit dem handschriftlichen Vermerk "28. Aug. 1833":

Verkauf des Rittergutes Freschluneberg.
Das den Erben weil. Majors v.d. Wisch zugehörende Rittergut Freschluneberg an dem Lunefluße, 3 Meilen von Bremen, unweit der Chaussee, belegen, und nachstehende Parcellen enthaltend: 1) einen geräumigen, nicht vermessenen Binnenhof nebst hinlänglichen, in gutem Zustand befindlichen Wohn= u. Oeconomie=Gebäuden, und Garten von 3 Morgen 14 Quadrat=Ruthen, 77 Morgen 2 Qu.R., alte Feldländereien ohne den in neueren Jahren Statt gehabten bedeutenden Zubruch, 135 Morgen Wiesenländereien; Weiden in der Westerbeverstedter Gemeinheit für 4 bis 500 Schafe, einen bedeutenden privaten Antheil an der ehemaligen Freschluneberger Gemeinheit, für 2 Bautheile Antheil an der Westerbeverstedter bedeutenden Gemeinheit; 2) hinreichendes Moor zum Torfstich; 3) private Hölzungen, a) einen mit hartem Holzbestande unvermessenen Holzbestand beim Hofe, b) einen anderen beim Barrel, genannt Deelen, c) einen dritten zur Abelhorst; 4) ein Viertel Antheil an der bedeutenden Communion=Forst bei Frelsdorf in der Havelesch; 5) 1/7 Antheil an dem Westerbeverstedter Antheil, Barrel genannt; 6) den Frucht= und Schmalzehnten aus den Dorfschaften und Feldmarken Westerbeverstedt und Freschluneberg, welche beide sich selbst fahren und in der Scheure abgeladen werden müssen, und in letzteren Jahren für 900 Th. verpachtet gewesen sind; 7) eine beträchtliche Anzahl Meyer, welche an jährlichen Meyer=Gefällen nach Conventions=Münze 212 Th. 6 Gr. zahlen, 10 Malter 7 Himten Rocken, 7 Malter 4 Himten Hafer, 184 Zinshühner, ein einjähriges Zinsschwein oder statt dessen 7 Th. alter Cassen=Münze, 40 Handtage; 8) die Koppeljagd in der ganzen Börde Beverstedt, sowie in der Gemarkung der Dorfschaft Hollen, Amts Hagen; 9) die Fischerei, größtentheils privative, sonst gemeinschaftlich mit dem Gute Düring und der Dorfschaft Freschluneberg, in dem Luneflusse; 10) mehrere sonstige Gerechtsame, als die Verwaltung der niedern Polizei über die auf adeligen Gründen wohnenden Meyer, die Civilgerichtsbarkeit über dieselben, das Patronatsrecht über die Kirche zu Altluneberg zu 9/24 Theil, die Holzgrefenschaft über die Forsten zu Frellstorf mit dem Gute Altluneberg und mehreres andere usw. soll am Freitage, den 4ten October d.J., Morgens 10 Uhr, auf dem Gute Freschluneberg, entweder im Ganzen oder theilweise meistbietend verkauft werden.
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